Geschichte

GLADT ist heute eine Selbstorganisation von Schwarzen Queers und Queers of Color mit und ohne eigene Migrationsgeschichte. Der Verein hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die Ende der 1990er Jahre begonnen hat und viele Debatten zu «Queer» und «of Color» in Berlin initiiert und/oder begleitet hat.

 

In vielen deutschen Städten gab es bereits in den 1980er Schwarze und/oder migrantische Einzelpersonen, Gruppen und Netzwerke, die sich mit Fragen des Feminismus, aber auch der Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen, später auch von Trans* und Inter* beschäftigt haben.

 

Aus der Berliner Türkgay-Gruppe, die Ende der 1990er Jahre entstanden war, entwickelte sich bis zum Jahr 2003 der Verein GLADT, der schon vor seiner Gründung sowohl Auseinandersetzungen zum Thema Geschlecht(sidentität) als auch Rassismus und Nationalismus führte. Es war längst nicht selbstverständlich, dass eine Gruppe türkischer Schwuler in Bezug auf interne Diversität sensibilisiert war – was bedeutete es, Frau*, Trans* oder kurdisch zu sein? War die Gruppe tatsächlich «offen» für alle, wie sie es behauptete? Außerdem stand zur Debatte, ob der entstehende Verein zu religiösen Fragen Stellung nehmen sollte – die Anschläge vom 11. September 2001 und der im Anschluss daran rapide ansteigende antimuslimische Rassismus machten es erforderlich, sich in der Praxis mit «Intersektionalität» zu beschäftigen, noch bevor der Begriff die Bundesrepublik und ihre Universitäten erreichte. So kam auch der Begriff «Queer» schneller zu uns als zu anderen.

 

Viele weitere Tagungen, Workshops und Vernetzungstreffen folgten, die GLADT an den Schnittstellen der Bekämpfung von Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung positionierten und zu einem wichtigen Akteur in Berlin – und weit darüber hinaus – machten. Die unkomfortable Rolle, zwischen Ausschlüssen in der Dominanzgesellschaft und Ausschlüssen beispielsweise in migrantischen Communities zu stehen, wurde auf diese Weise auch zu einer Ressource. Die Gründung des Migrationsrats Berlin, eines damals bundesweit einmaligen Dachverbands von Migrant*innen-Organisationen (2004), die Fachtagung «Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft» (2008), aber auch die Mitarbeit in den Initiativen des Landes Berlin zur Förderung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt oder bei den «Runden Tischen gegen Homophobie» beim Migrationsrat oder das Projekt «Diskriminierungsfreie Szenen für alle», wo Rassismus, Sexismus, Trans- und Behindertenfeindlichkeit in queeren Szenen bearbeitet wurden und werden, machten GLADT zu einem Bindeglied von Debatten in der Mehrheitsgesellschaft, in queeren Szenen und in den Communities von Migrant*innen, People of Color und Schwarzen.